Montag, 2. Juli 2018

Gedenkstätten heute

Die Anzahl von Gästen war so groß, dass sie auf zwei Säle verteilt werden mussten: Über 270 Besucherinnen und Besucher kamen in das Kieler Landtagsgebäude, um sich in einem Vortrag von Jan Philipp Reemtsma mit anschließender Podiumsdiskussion mit Sinn und Funktion von Gedenkstätten auseinanderzusetzen.

In seinem Vortrag zeigte Reemtsma die verschiedenen Modi von Gedenkstätten auf, die die Gesellschaft ihnen seit dem Zweiten Weltkrieg zuschrieben. In Anbetracht der Ehrfurcht, die man bei einem Gedenkstättenbesuch aufwende, könne man etwa Gedenkstätten als sakralen Ort betrachten. Nicht alle diese Modi seien dabei erstrebenswert. So kritisiert Reemtsma die Instrumentalisierung von Gedenkstätten als mahnendem Zeigefinger: „Ich halte die Idee, man könnte erfolgversprechend vor Gegenwärtigem warnen, wenn man zeigt, wohin das einmal geführt hat, für nicht besonders gut.“ Dennoch kommt Reemtsma zum Schluss: „Bewusstsein und Scham – dafür, dass beides geweckt und geübt werde, sind die Gedenkstätten da. Nicht nur sie, aber insbesondere sie.“

Die komplette Veranstaltung finden Sie hier auf Youtube.

Im Anschluss diskutierte Reemtsma auf dem Podium zusammen mit Prof. Dr. Stefanie Endlich von der Universität der Künste Berlin und Dr. Felix Klein, dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus. Das Publikum hatte die Gelegenheit, Fragen an das Podium zu stellen, die Moderation übernahm Guido Froese vom Nordkolleg Rendsburg.

Karin Prien, die Schleswig-Holsteinische Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die den Abend bereits mit ihrem Grußwort eingeleitet hatte, verlieh schließlich den Wissenschaftspreis der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten an Dr. Martin Göllnitz, der das Abendprogramm mit einem Kurzvortrag ausklingen ließ.

Aufgrund der hohen Zahl an Gästen wurde die Veranstaltung aus dem Schleswig-Holstein-Saal in den gegenüber liegenden Konferenzsaal übertragen. Reemtsmas Ausführungen basieren auf einem Vortrag bei der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten aus dem Jahr 2003. Er erschien in abgeänderter Form in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte 25-26/2010, Sie können sie hier abrufen.

Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein e.V. statt.

Karin Prien und Dr. Martin Göllnitz mit der Urkunde