"Macht für die Mehrheit!" 100 Jahre Frauenwahlrecht - Der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein


Freitag, 30. November 2018

"Macht für die Mehrheit!" 100 Jahre Frauenwahlrecht

Der mit 160 (hauptsächlich weiblichen) Gästen gefüllte Schleswig-Holstein-Saal zeigte: Frauenrechte und Gleichstellungspolitik sind nach wie vor zentrale Themen. Die Rednerinnen gaben am Freitag anregende Einblicke in Geschichte der Frauenrechtsbewegung und gegenwärtige Herausforderungen.

Bereits die Grußworte setzten inhaltliche Akzente. Dr. Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung, Ursel Hoppe, Leiterin der Abteilung für Allgemeine Angelegenheiten und Gleichstellung im Ministerium für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung und Karola Schneider, Stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrats Schleswig-Holstein griffen Themen aus der Geschichte der Frauenbewegung auf und stellten fest: Zwar sei der heutige Tag ein Grund zum Feiern. Trotzdem gebe es noch viel zu tun, um die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männer tatsächlich zu verwirklichen.

Ein langer Weg

Aufgrund der Einführung des Frauenwahlrechts 1918 verbinden viele die Endphase des Ersten Weltkrieges und die Novemberrevolution mit der Emanzipation der Frau. Gerade dies nahm Dr. Kirsten Heinsohn zum Anlass, um in ihrem Vortrag die lange Vorgeschichte des Frauenwahlrechts darzustellen. Schließlich finde die deutsche Frauenbewegung mit Louise Otto bereits in den 1840er Jahren ihren Anfang, so die stellvertrende Direktorin der Hamburger Forschungsstelle für Zeitgeschichte.

Und sie nahm auch nicht mit 1918 ihr Ende. Heinsohn zeigte, dass sich durch die Mitbestimmung der Frauen die politische Landschaft zunächst nur in einem Punkt gewandelt habe: „Frauen mussten nun als Zielgruppe von den Parteien adressiert werden. Alle Parteien reagierten darauf mit einer geschlechtsspezifischen Propaganda, in der Frauen die Aufgabe zugesprochen wurde, ihre Stimmen nicht für ihre eigenen Interessen, sondern wahlweise für die des Volkes oder der Werktätigen abzugeben.“

Persönliche und gesellschaftliche Voraussetzungen

Heinsohn zeichnete den Weg der Frau als Wählerin bis zur Gegenwart nach. An dieser Stelle setzte die Podiumsdiskussion der Landtagsabgeordneten an. Auf dem Podium saßen Katja Rathje-Hoffmann (CDU), Serpil Midyatli (SPD), Aminata Touré (Bündnis 90/Die Grünen), Anita Klahn (FDP) und Jette Waldinger-Thiering (SSW). Eva Diederich vom NDR übernahm die Moderation. Sie fragte die Abgeordneten zum Einstieg direkt nach der Geschlechterverteilung in den eigenen Parteien. Alle Abgeordnete machten sich dafür stark, dass Frauen mehr politische Verantwortung übernehmen sollten und unterstützten die Einführung einer verbindlichen Frauenquote in der Politik. Auch wenn Anita Klahn rückblickend betonte, sie selbst habe sich früher ihren Aufgaben einfach gestellt, ohne über eine Quote nachzudenken.

Midyatli und Waldinger-Thiering erzählten, dass ihnen eine weibliche Vorbildfigur in der eigenen Familie und der Schule geholfen habe, in Politik und Beruf große Verantwortung zu übernehmen. Touré entgegnete, der Erfolg einer Frau könne nicht davon abhängen, dass sie eine starke Frau als Vorbild habe. Gerade gesellschaftliche Strukturen, die nicht von dem oder der Einzelnen abhängen, seien für Frauen immer noch große Hindernisse in Politik und Wirtschaft. Und gerade hier müssten politische Entscheider/-innen Veränderungen anstreben, verdeutlichte die Abgeordnete der Grünen.

Die vielen Aspekte des Vortrags und der Diskussion wurden vom Illustrator(inn)en- und Grafiker/-innen-Kollektiv PureFruit festgehalten. Die grafische Aufzeichnung finden Sie hier (Leinwand 1 und Leinwand 2).

Der Landesbeauftragte organisierte den Abend gemeinsam mit dem Landesfrauenrat Schleswig-Holstein. Dr. Christian Meyer-Heidemann dankte am Schluss herzlich allen Beteiligten für die gelungene Zusammenarbeit. Die Veranstaltung wurde vom Offenen Kanal aufgezeichnet und live übertragen. Die Übertragung ist auf Facebook und in Kürze in der Mediathek des Offenen Kanals verfügbar.

Die Podiumsgäste und Organisator(inn)en des Abends
Die Podiumsgäste und Organisator(inn)en des Abends

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