Wir selbst legen fest, was Heimat für uns ist - Der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein


Freitag, 1. März 2019

Wir selbst legen fest, was Heimat für uns ist

Ist Heimat da, wo der Trecker steht, so wie es ein Schleswig-Holsteinisches Kind im Rahmen eines Wettbewerbes für sich festgelegt hat? Im Landeshaus fanden der Autor Wladimir Kaminer, Serpil Midyatli vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund und Bloggerin Julia Nissen keine Definition. Sie stellten dafür fest, dass der Begriff Heimat ganz persönlich und immer wieder neu besetzt werden kann.

Christian Meyer-Heidemann machte bereits in seinem Grußwort deutlich, dass Heimat in keine festgelegte Definition gedrängt werden könne: „Wir dürfen Heimat nicht mit Herkunft gleichsetzen“, unterschied der Landesbeauftragte für politische Bildung. „Heimat ist vielfältig, Heimat ist Vielfalt!“ Damit machte er deutlich, dass Heimat keine allgemeingültige Definition hat.

Wie individuell Heimat sein kann, vermittelte der bekannte Autor Wladimir Kaminer mit verschiedenen Texten aus seinen Werken. Seine Geschichten von Emigration aus der Sowjetunion, von kulturellen Missverständnissen und Berliner Eigentümlichkeiten sorgten für viel Heiterkeit im Publikum. Als er später von der Moderatorin des Abends, Kathrin Matern (NDR) gefragt wurde, ob er sich nach all den Jahren in Deutschland als Deutscher fühle, antwortete er schmunzelnd: „Ich bin Russe in Deutschland. Aber bei der Diskussion über Heimat habe ich es einfach: Meine Heimat, die UdSSR, gibt es ja nicht mehr.“

Serpil Midyatli führte in der anschließenden Diskussion Meyer-Heidemanns Gedanken fort: „Heimat kann jeder selbst definieren. Und das Tolle ist: Heimat wird ja nicht weniger, wenn man sie teilt.“ Die Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (und Mitglied der SPD-Landtagsfraktion) machte somit klar, dass Heimat kein Gebiet oder einen bestimmten Kulturkreis meinen müsse.

Bloggerin Julia Nissen unterstrich dies mit einer persönlichen Note. Zwar fühle sich die Hamburgerin in Nordfriesland inzwischen sehr heimisch. Aber beruflich müsse sie oft nach Berlin reisen. Trotzdem bezeichnete sie nicht Berlin als ihre Heimat, sondern stellte fest: „Da ich so oft unterwegs arbeiten muss, ist meine zweite Heimat eigentlich das Internet.“

Später bezeichnete Wladimir Kaminer die Diskussionen um den Heimatbegriff als „Falle“: Wer viel herumreise, stelle schnell fest, dass sich trotz geographischer Unterschiede Bräuche und Traditionen oft ähnelten. Zum Beispiel nahm er sich die bekannte Wortkargheit der Norddeutschen: „Das ist nicht nur typisch für Norddeutschland. In Brandenburg geht es sogar noch kürzer. Aus ‚Moin.‘ wird dort einfach ‚Na?‘.“

Anekdoten wie diese, unterhaltsame Geschichten aus Kaminers Werken und einige ernsthafte Gedanken sorgten für eine facettenreiche und vor allem kurzweilige Beschäftigung mit der Frage, was Heimat denn eigentlich ist.

Der Abend fand in Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund und dem Kulturforum Schleswig-Holstein statt, bei denen sich der Landesbeauftragte herzlich bedankte.

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