Integration durch gemeinsames Lernen jüdischer Geschichte - Der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein
EUROPAWAHL 2019


Montag, 6. Mai 2019

Integration durch gemeinsames Lernen jüdischer Geschichte

Deutsche und Geflüchtete mit Bleibeperspektive entdecken in Workshops jüdische Kultur, Religion und Geschichte. Sie setzen sich mit dem Nationalsozialismus und der Shoa sowie Rassismus und Antisemitismus früher und heute auseinander: Das ist das Programm des transkulturellen Netzwerkes „All In“, das am 5. Mai 2019 im Jüdischen Museum Rendsburg seinen ersten erfolgreichen Durchgang feierte.

In seiner Begrüßung zur Veranstaltung „Wirkungsvoll gegen muslimischen Antisemitismus“ zeigte sich Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, erfreut über den Erfolg des transkulturellen Netzwerkes. Gleichzeitig sei ein Projekt wie „All In“ nur ein erster (wenngleich bedeutender) Schritt, um Vorurteilen und Antisemitismus vorzubeugen. Das Jüdische Museum unterstütze das Projekt daher auch in den folgenden Durchgängen.

Landtagspräsident Klaus Schlie betonte das uneingeschränkte und entschlossene Eintreten des Schleswig-Holsteinischen Landtags gegen jede Form von Antisemitismus. Auch wenn es in der Veranstaltung speziell um muslimischen Antisemitismus ging, machte der Landtagspräsident klar: „Antisemitismus hat keinen Migrationshintergrund!“

Der Landesbeauftragte für politische Bildung dankte den Kooperationspartnern für die Zusammenarbeit und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Engagement. „Es freut mich, dass das Jüdische Museum Rendsburg in diesem Projekt zum Lernort über Jüdisches Leben wird“, so Christian Meyer-Heidemann.

Projekt lebt von Eigeninitiative

Der Nachmittag machte deutlich, wie sehr das Projekt „All In“ vom Interesse der Teilnehmer/-innen lebt, gemeinsam etwas Neues zu lernen und zu gestalten: So dokumentierten sie ihren Besuch in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück mit einer Video-Reportage, die sie den Gästen präsentierten. (Der Filmbeitrag ist in unserer Infothek verfügbar.) Im Anschluss führten einige Teilnehmer ein kurzes Theaterstück auf und setzten sich so auf kreative und emotionale Weise mit der Shoa auseinander. Unter den Gästen hatten sie zuvor ihre eigens herausgegebene Zeitschrift verteilt.

Darauf folgte folgte eine Podiumsdiskussion mit Landtagspräsident Klaus Schlie, Idun Hübner (Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten e.V.), Viktoria Ladyshenski (Jüdische Gemeinde Kiel und Region e.V.), und dem Landesbeauftragten für politische Bildung, Christian Meyer-Heidemann. Frau Ladyshenski zeigte sich beeindruckt von der Eigeninitiative, die die Geflüchteten unter Beweis stellten. Sie berichtete von regen Gesprächen, die die Projektmitarbeiter mit der Jüdischen Gemeinde führten, und einem bereits vereinbarten Treffen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region.

Idun Hübner lobte das Engagement der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, das alles andere als selbstverständlich sei: „Ihr seid neu zu uns gekommen und habt eine ganze Menge anderer Sorgen. Trotzdem seid Ihr neugierig, mehr über unsere Kultur und unsere Geschichte zu erfahren.“

Demokratielernen in allen Kulturen notwendig

Mit Bezug auf das Thema der Veranstaltung, muslimischen Antisemitismus, behauptete eine Stimme aus dem Publikum, es bestünde ein grundsätzliches Spannungsfeld zwischen dem Islam und modernen Menschenrechten. Landtagspräsident Klaus Schlie entgegnete mit dem Appell, kulturelle Unterschiede differenziert zu betrachten. „Es gibt nicht den einen Islam, sondern viele verschiedene Ausprägungen davon – wie im Christentum.“ Muslimen könne nicht pauschal vorgeworfen werden, ihre Religion befinde sich im Spannungsfeld mit den Menschenrechten. Vielmehr müsse die politische Instrumentalisierung der Religion in den Blick genommen werden.

„Die Vermittlung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung hat oberste Priorität bei ‚All In‘“, versicherte Meyer-Heidemann. Es sei selbstverständlich, dass geflüchteten Menschen in ihrem neuen Umfeld einige Wertvorstellungen zunächst einmal neu seien. „Aber gerade hierzu dienen ja interkulturelle Projekte: Die jungen Menschen lernen, Dinge zu hinterfragen, die sie zuvor für selbstverständlich gehalten haben.“

Projektmitarbeiterin Djamila Amrani machte deutlich, dass „All In“ bewusst als transkulturelles Netzwerk auch deutsche Interessierte einbeziehe. Schließlich sei das gemeinsame Lernen zwischen den Kulturen das Besondere bei „All In“.

Zum Abschluss überreichte Landtagspräsident Klaus Schlie Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihr Abschlusszertifikat.

Das Projekt „All in“ wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Es wird in Zusammenarbeit des Landesbeauftragten für politische Bildung mit der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten, dem Jüdischen Museum Rendsburg und Institut für Interdisziplinäre Genderforschung und Diversity der FH Kiel durchgeführt.

Fotos/Videobeitrag: Hamid Saeidi

Podiumsdiskussion zum Thema „Integration ohne Arbeit gegen Antisemitismus?“

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