Tag der offenen Tür mit einem Blick zurück - Der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein


Dienstag, 18. Juni 2019

Tag der offenen Tür mit einem Blick zurück

Am 16. Juni öffnete der Landtag seine Türen und 20.000 Besucherinnen und Besucher nutzen die Chance, hinter die Kulissen des Parlaments zu blicken. Nicht nur die Verwaltung und die Fraktionen stellten sich vor. Auch der Landesbeauftragte präsentierte seine Arbeit und unterhielt die Gäste mit seinem Grundgesetz-Quiz. Für den Landesbeauftragten standen am Nachmittag die Kieler Studierendenproteste von 1968 und 1969, die am 9. Juni 1969 vor dem Landeshaus eskalierten, im Mittelpunkt.

Zwischen Popcorn-Ständen und Live-Musik im Paternoster präsentierten der Landesbeauftragte und sein Team politische Bildungsangebote. Beliebt war der Bücherstand, an dem sich die Leute mit Grundgesetzen und Sachbüchern über Schleswig-Holstein, Deutschland oder Europa eindecken konnten. Für Spannung sorgte das Grundgesetz-Quiz, das bereits seit dem 70. Geburtstag des Grundgesetzes im Mai auch online spielbar war. Um 14.00 Uhr lud der Landesbeauftragte für politische Bildung in den Konferenzsaal, um bei der Veranstaltung „Schlacht ums Landeshaus“ einen Blick 50 Jahre zurück zu werfen.

Das Landeshaus – immer schon ein offenes Haus?

In seiner Begrüßung schlug der Landesbeauftragte für politische Bildung die Brücke zwischen dem Tag der offenen Tür und den Protesten vor 50 Jahren: „Damals waren viele tausend Menschen um das Landeshaus versammelt, genau wie heute. Aber anders als heute erlebten die Menschen es damals nicht als offenes Haus mit offenen Türen.“ Mit Blick auf die Bewegung „Fridays for Future“ fuhr Dr. Christian Meyer-Heidemann fort: “Zum Glück finden Demonstrantinnen und Demonstranten heute Mittel und Wege, ihren Forderungen zwar immer noch lautstark, aber gewaltfrei Gehör zu verschaffen.“

Der Historiker und Stellvertreter des Landesbeauftragten, Dr. Hauke Petersen, führte nicht nur in den politischen Kontext dieser Zeit ein. Er vermittelte anhand von Fotografien und Filmaufnahmen auch einen Eindruck von der aufgeheizten Stimmung 1968/1969. Im Anschluss lud Hauke Petersen Otto Bernhardt und Gabriele Schreib zum Gespräch aufs Podium. Während Gabriele Schreib damals als Schülerin an den Protesten teilgenommen hatte, hatte sich der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär. a. D. Otto Bernhardt damals von der Gewaltbereitschaft einiger Studierender distanziert – und somit auch vom Protestmarsch zum Landeshaus.

 

Gabriele Schreib, Hauke Petersen und Otto Bernhardt (von links)
Gabriele Schreib, Hauke Petersen und Otto Bernhardt (von links)

Frau Schreib differenzierte im Gespräch die Gewaltbereitschaft der Demonstrantinnen und Demonstranten. So habe es sich bei den Gewaltbereiten nur um eine kleine Minderheit gehandelt. „Lassen Sie es von 7.000 Leuten insgesamt 100 sein, die erste Reihe.“ Für Otto Bernhardt war damals jedoch klar: Wer sich nicht eindeutig von Gewalt distanziere, sei als Gesprächspartner nicht zu akzeptieren. Zwar hatte auch Otto Bernhardt einige der Ziele der Demonstrantinnen und Demonstranten befürwortet. Allerdings habe er befürchtet, es sei einigen nicht um die Verbesserung der Studienbedingungen gegangen. „An der Spitze der Demonstrationen gab es einige, die die parlamentarische Demokratie abschaffen wollten“, so Otto Bernhardt.

„Heute funktioniert das Miteinander besser“

Auch wenn sie damals unterschiedliche Haltungen zu den Demonstrationen in Kiel vertreten hätten, fasste Gabriele Schreib zusammen: „Wir können uns darauf einigen, dass diese Jahre unser ganzes Leben geprägt haben.“

Der heutigen politischen Kultur attestierte Bernhard, dass trotz verschiedener Ziele das Miteinander besser funktioniere. Gruppen seien trotz unterschiedlicher Ziele fähig, einen Dialog zu führen, so der ehemalige Staatssekretär. „Das hat uns 1969 gefehlt. Damals haben wir mehr gegeneinander diskutiert als miteinander.“

Zum Abschluss des Tages der offenen Tür diskutierten der Landesbeauftragte mit Landtagspräsident Klaus Schlie in der NDR 1-Sendung „Zur Sache“. Konkret ging es um die Frage, wie bürgernah Politik sein muss.

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