Spionin wider Willen - Der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein


Freitag, 13. September 2019

Spionin wider Willen

Versteckte Botschaften, Verrat und geheime Liebschaften: All das war zu Beginn des Kalten Krieges Teil von Olga Raues Leben. Der Politikwissenschaftler Stefan Appelius zeichnete bei seiner Lesung ihr Leben nach und skizzierte dabei die damalige Welt der Geheimdienste.

Der Vortrag über das Leben der CIA-Spionin Olga Raue lockte über 100 Besucherinnen und Besucher in das Landeshaus. Hauke Petersen, Stellvertreter des Landesbeauftragten für politische Bildung, war begeistert vom allgemeinen Interesse am Thema. Auch vor dem Hintergrund, dass die Erinnerung an SED-Unrecht nicht in Vergessenheit geraten dürfe. „Ich habe den Eindruck, als sei für viele junge Menschen Walter Ulbricht ebenso weit entfernt wie Napoleon“, stellte Petersen fest.

Unter den Gästen war auch die titelgebende Spionin selbst, Olga Raue. Sie war gemeinsam mit Stefan Appelius angereist, der über ihr Leben recherchiert hatte und dessen neu erschienenes Buch den Mittelpunkt des Abends bildete. Ende der 1950er Jahre klärte sie die CIA über das „Objekt 714“ auf: eine unterirdische Atomwaffenfabrik westlich von Moskau.

Die ehemalige Spionin Olga Raue lebt mittlerweile in Kiel.
Die ehemalige Spionin Olga Raue lebt mittlerweile in Kiel.

Pragmatismus statt Moral

Anders als dieser spektakuläre Fund vermuten lässt, war Olga Raue war eher durch Zufall Spionin geworden. Wie so vielen anderen war ihr das Ausmaß ihrer geheimen Tätigkeiten nicht einmal bewusst gewesen, erläuterte Prof. Dr. Appelius. Während die CIA versuchte, die Kontrolle über geheime Informationen zu halten, ließ sie die eigenen Informantinnen und Informanten im Dunkeln tappen.

Im Allgemeinen hätten die Spioninnen und Spionen im aktiven Einsatz bei den Geheimdiensten keinen hohen Stellenwert besessen. So hätten die Dienste eine langjährige Mitarbeit häufig erzwungen. Etwa durch Androhung, brisante Geheimnisse aus dem Privatleben der Angeworbenen preiszugeben. Idealisten wie Heinz Raue, die sich freiwillig bei Geheimdiensten beworben hatten, waren laut Stefan Appelius klare Ausnahme gewesen. Anders war es bei seiner Frau Olga Raue: Erst durch ihn war sie damals, unfreiwillig, zur Spionin geworden.

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