Collage: Tsitsi Roland


Resümee der 3. Jugendaktionskonferenz

Spannende Debatten zu Visionen für jugendliches Engagement und Forderungen an den neu gewählten Landtag in Schleswig-Holstein.

Am 30. Mai. 2022 haben Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein an der dritten Jugendaktionskonferenz SH in der Kieler Christian-Albrechts-Universität teilgenommen und an sieben Thementischen aktuelle Herausforderungen für Politik und Gesellschaft in Schleswig-Holstein diskutiert. Die Ergebnisse wurden zum Abschluss der Veranstaltung im Plenum vorgestellt und mit Vertreter:innen aller im Landtag vertretenen Parteien diskutiert. Die Landtagsabgeordneten haben die Ergebnisse der Jugendlichen auf einem USB-Stick bekommen und wir hoffen, dass diese in ihrer kommenden Arbeit einfließen werden. Die Jugendaktionskonferenz, die von einem großen Veranstalter:innenkreis getragen wird, ist zu einem wichtigen Ort geworden, an dem engagierte Jugendliche aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen miteinander ins Gespräch kommen, Meinungen und Erfahrungen austauschen und gemeinsame Anliegen voranbringen.

Im Folgenden findet hier die Diskussionsinhalte der sieben Thementische und die daraus resultierenden Forderungen, die die Teilnehmenden an die Landtagsabgeordneten formuliert haben.

Ergebnisse der Thementische

1. Der Weg Nach-haltigkeit – Klima und Umwelt

Am Thementisch für Nachhaltigkeit wurde auf Grundlage der Ergebnisse aus dem letzten Jahr zu vielen verschiedenen und komplexen Themen diskutiert und Austausch gepflegt. Hierbei lassen sich 5 Hauptkriterien herauskristallisieren:

  • Der Öffentliche Personen (Nah-)Verkehr muss weiter ausgebaut und attraktiver werden. Dies kann durch dauerhafte Preissenkungen der Ticketpreise und einen Ausbau des ÖPNV Netzes, vor allem in den ländlicheren Regionen, geschehen. Der ÖPNV auf der Schiene wird hierbei als besonders attraktiv wahrgenommen. Der restliche Verkehr muss ebenso in seiner Nachhaltigkeit vorangetrieben werden. Hierfür sollen autofreie/autoreduzierte Innenstädte entstehen, Fahrradstraßen und -wege ausgebaut werden Angeboten wie „Park and Ride“ gefördert werden.
  • Der Ausbau nachhaltiger Energien muss weiter und schneller vorangetrieben werden. Nachhaltigere Energien wie z. B. Photovoltaikanlagen sollen vermehrt z. B. auch auf öffentlichen Gebäuden verbracht werden, aber auch für Privatpersonen einfach(er) zugänglich sein. Es soll weiterhin in Forschung zu nachhaltigen Energien investiert werden.
  • Die Bildung zur Nachhaltigkeit ist in allen Bereichen (von der frühkindlichen Bildung in der KiTa über die schulische Bildung bis hin zur außerschulischen Bildung durch Sozialpädagog:innen) noch nicht ausreichend verankert. Ideen zur Stärkung sind z. B. Klimaaktionstage, welche ansprechend, lehrreich und zielgruppenorientiert in Schulen durchgeführt werden, aber auch die kontinuierliche Einpflegung nachhaltigen Verhaltens in den Alltag sollte bedacht werden. Auch die konsequente Umsetzung von bereits getroffenen Maßnahmen ist anzustreben.
  • Auch der Arten- und Naturschutz muss weiter vorangebracht werden. Wichtig ist, dass sich intensiv mit den Themen Aufforstung und Artenschutz auseinandergesetzt wird und Maßnahmen konsequent umgesetzt werden. Waldrodungen müssen gestoppt werden, Aufforstung weiterhin ausgebaut werden. Bei Bauprojekten muss der Artenschutz berücksichtigt werden. Es soll mit der Natur gearbeitet werden und nicht gegen sie.
  • Die Barrieren für einen nachhaltigen Konsum müssen weiter abgebaut werden. Eine nachhaltige Lebensweise darf kein Privileg sein, sondern für jede Person möglich. Hierfür könnten ökologische, regionale und faire Produkte subventioniert werden. Weiter müssen die Barrieren bei der Abfallvermeidung gesenkt werden. Wenn Lebensmittel noch nutzbar sind, aber nicht einem Normstandart entsprechen oder abgelaufen sind (Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten), sollen diese nicht direkt entsorgt, sondern abgegeben werden müssen. Angebote wie TooGoodTooGo sollen vermehrt gefördert werden.

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2. Error 404 – Bildungsgerechtigkeit not foundAm Thementisch „Error 404 – Bildungsgerechtigkeit not found“ haben sich folgende Forderungen ergeben:
  • Mehr Schulsozialarbeiter:innen an Schulen. Wenn sie an Schulen vertreten sind, sind sie häufig überlastet. Zudem haben sie nur wenig Zeit, wenn Schüler:innen zu ihnen kommen und Hilfe benötigen. Deshalb fordern wir einen Ausbau der Schulsozialarbeit an den Schulen.
  • Dass die Kompetenz der Lehrkräfte (zum Beispiel im Umgang mit neuen Medien) mehr gefördert wird. Das ist uns wichtiger als mehr Digitalisierung, weil ohne die Kompetenz der Lehrkräfte die Medien nicht optimal genutzt werden können.
  • Dass mehr Wissen durch externe Personen vermittelt wird.
  • Individuellere Lehrpläne. Jeder Mensch braucht unterschiedlich lange, um ein Thema zu verstehen und jeder möchte sich unterschiedlich intensiv damit beschäftigen.
  • Um Probleme wie Mobbing zu verhindern, sollte man sich auf die Täter:innen konzentrieren und mit denen arbeiten. Heute ist es meistens so, dass sich nur oder mehr um die Opfer gekümmert wird und dies das Problem leider nicht löst.

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3. (A) Gender – Dein Plan für Geschlechtervielfalt An dem Thementisch „(A)Gender 2028 – Dein Plan für Geschlechtervielfalt“ wurden viele Forderungen an die Politik gestellt, was verdeutlicht, dass unsere Gesellschaft noch einiges für Geschlechter Vielfalt und Akzeptanz von nicht heteronormativen Menschen zu tun hat. Folgende Forderungen stellen die Teilnehmer:innen an die Politiker:innen:
  • Geschlechtergerechte Sprache sollte bereits in der Krippe eingeführt werden. Damit die Heteronormativität abgeschafft wird und die Vielfalt verankert wird. Dies sollte bei der Sprache anfangen.
  • Es muss verpflichtende Weiter- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, Therapeut:innen und Personen mit erzieherischen Aufgaben zu queeren Themen geben.
  • Barrierefreie Unisextoiletten müssen geschaffen werden. Zudem muss es auf allen Toiletten Menstruationsartikel geben.
  • Gleiche Rechte für queere Familien! Queere Familien müssen anerkannt werden und sollen die gleichen Rechte haben auch bei der Adoption.
  • Es braucht eine umfassende Aufklärung und damit einhergehende Berücksichtigung aller Identitäten und sexueller Orientierungen im Unterricht und das fächerübergreifend. So werden queere Menschen auch in der Schule gesehen und die Schule zu einem safe space.

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4. Mitreden mitbewegen – Junge Menschen beteiligen (sich) Allgemein muss die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen einheitlich und flächendeckend ausgebaut werden. Hierbei ist folgendes zu berücksichtigen:
  • Aufgrund fehlender Sanktionen wird der Verpflichtung zur Beteiligung von Kindern- und Jugendlichen in vielen Gemeinden in Schleswig-Holstein (nach Gemeindeordnung §47f) nicht – oder nicht hinreichend – nachgekommen. Hier muss eine Reform erfolgen und allgemein weitere Beteiligung ermöglicht und gefördert werden.
  • Um die Interessen der zivilgesellschaftlichen Jugend besser zu berücksichtigen, muss den Kindern und Jugendlichen auf allen Ebenen und in allen lebensweltlichen Zusammenhängen der Jugendlichen auch Entscheidungskompetenz übertragen werden.
  • Wenn ein landesweites Gremium zur Kinder- und Jugendbeteiligung geschaffen werden soll, muss auf dessen demokratische Legitimation geachtet werden.
  • Damit mehr Kinder und Jugendliche sich politisch engagieren, muss die politische Bildung auch die Möglichkeiten für politische Engagement aufzeigen. Außerdem bedarf es sehr viel mehr Angebote politischer Bildung innerhalb und außerhalb der Schule, vor allem niedrigschwellige Formate.
  • Gelingende Beteiligung muss durch personelle und finanzielle Ressourcen unterstützt werden: Neben einem eigenen Etat, muss auch eine qualifizierte personelle Begleitung der Gremien bzw. der offenen Beteiligungsformate sichergestellt werden.

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5. Mit Ehre im Amt – Wege zur Wertschätzung Es ist ganz klar ein Privileg, ein Ehrenamt auszuführen. Die Zeit, Ressourcen und Emotionen, die Freiwillige und Ehrenamtliche in ihre Projekte und Ämter stecken, können sie nicht an anderer Stelle nutzen, um z. B. Geld zu verdienen, zu pflegen oder zu lernen. Dies schließt einen Teil der Bevölkerung aus und erschwert den Zugang. Doch ist unsere Bevölkerung auf diese ehrenamtlichen Tätigkeiten und das Engagement derer angewiesen, Ehrenamt wird als eine Selbstverständlichkeit betrachtet. Auch wenn für die ehrenamtliche Tätigkeit keine Bezahlung erwartet wird, brauchen die Engagierten doch das Gefühl, dass sie und ihre Arbeit gesehen und unterstützt werden. Gerade für junge Menschen sind da gute Rahmenbedingungen elementar. Dazu gehören eine verlässliche und kostengünstige/kostenlose Mobilität, genauso aber aufrichtige Dankbarkeit von Entscheidungsträger:innen, Anerkennung und Toleranz durch Lehrkräfte und angepasste Unterstützungen der Hauptamtlichen.
  • Ehrenamt ist ein Privileg
  • Ehrenamt ist nicht selbstverständlich, wird aber als solches gesehen
  • Gesehen werden ist für die Engagierten wichtig
  • Irgendeine Art von Vergütung motiviert (finanziell, Anerkennung)
  • Gute Rahmenbedingungen fördern Ehrenamt (Mobilität, Schulen, Rücksichtnahme)

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6. „Das wird man ja wohl noch…“ – Strategien gegen Rassismus Generell ist es wichtig, dass jede:r von uns sich selbst in seinem Verhalten reflektiert und darauf achtet, wo Rassismus überall stattfinden kann und welche Strukturen man auch in sich selbst trägt. Zudem ist es wichtig, dass jede Person eingreift, sobald sie rassistisches Verhalten anderer mitbekommt und den Opfern beisteht. Folgende Forderungen ergaben sich an die Politik:
  • Eine Weiterbildung der Lehrer:innen im Umgang mit rassistischen Themen sollte verpflichtend sein.
  • Es sollte an jeder Schule ein:e Rassismusbeauftrage:r geben.
  • Kinderrechte sollte verpflichtend als Thema in der Schule behandelt werden.
  • Jede Schule sollte ein Schutzraum sein, in dem Schüler:innen mit ihren Traumata unterstützt werden können.
  • Alle Schulen sollten auf Rassismus überprüft werden, auch die, die den Titel „Schulen ohne Rassismus, Schulen Mit Courage“ bereits tragen.

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7. (Un) Gerecht? – Jung und alt, arm und reich In Deutschland herrscht eine große Schere zwischen arm und reich. Es gibt verschiedene Form der Diskriminierung. Aus den facettenreichen Diskussionen zu dem Thema sind folgende Forderungen an die Politik entstanden:
  • Alle gesunden Menschen sollten die Erlaubnis zur Blutspende bekommen, sodass alle gesunden Menschen die gleichen Voraussetzungen und Bedingungen bei der Blutspende haben.
  • Die ethnische Herkunft von Täter:innen sollte medial nicht mehr genannt werden. Damit Vorurteile nicht entstehen.
  • Es sollte mehr geschlechtsneutrale Toiletten in öffentlichen Räumen geben, sodass alle Menschen sicher in der Öffentlichkeit auf Toiletten gehen können.
  • Einige Steuergelder sollten sinnvoll in den ÖPNV investieren werden. Die Infrastruktur sollte ausgebaut werden, gerade im ländlichen Raum und es sollten generell die Preise des ÖPNV gesenkt werden.
  • Es sollte ein staatlich finanziertes Schüler:innenticket für alle geben, sodass alle Schüler*innen und auch Auszubildenen kostengünstig zu ihrer Schule kommen.

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