Kino der NS-Zeit - Der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig-Holstein

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Kino

Kino der NS-Zeit

Dienstag, 12. Januar 2016
ab 19:00
Kino in der Pumpe
Hassstraße 22, 24103 Kiel

Vom 12. Januar bis 3. Februar im Kino in der Pumpe

Bundespräsident Joachim Gauck hat gesagt: “Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.” Wir sind verantwortlich für die Erinnerung an den Holocaust, aber auch für Wissen über die Gründe, die Auschwitz möglich gemacht haben. Dazu gehört, die Prozesse zu verstehen, die die Macht der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren festigen und die nationalsozialistische Ideologie in der Bevölkerung verankern konnten. Propaganda in offener und unterschwelliger Art – insbesondere in Filmen – spielte dabei eine wichtige Rolle.

Angesichts von Gewalt gegen vermeintlich “Andere”, Migrantinnen und Migranten, Schwule und Lesben oder Flüchtlinge ist es wichtig zu verstehen, wie Rassismus, wie Ausgrenzung und Abwertung von Bevölkerungsgruppen funktionieren, wie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in verdeckter, scheinbar harmloser Form wirkt und so den Nährboden für offene Gewalt bereiteten kann.

Das Kinoprojekt bietet eine gute Gelegenheit für Schülerinnen und Schüler, sich mit dem Unfassbaren und seinen Mechanismen auseinandersetzen. Unsere demokratische Kultur und das friedliche Miteinander sind keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen immer wieder neu erstritten werden. Die Erfahrungen aus dem Projekt werden dafür ein gutes Rüstzeug sein.

Britta Ernst, Ministerin für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Die Filme des Nationalsozialismus gelten bis heute als exemplarische Medienleistungen im Bereich von Propagandatechniken und Manipulation. Es bleibt bis heute eine Aufgabe der politischen Bildung, für Aufklärung darüber zu sorgen, wie diese Techniken funktionieren, um so Bürgerinnen und Bürgern eine Medienkompetenz zu vermitteln, die es ihnen erlaubt, entsprechende Manipulationstechniken zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.

Die audiovisuelle Technik, so der Medienwissenschaftler Eric Rentschler, spielte im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle bei der gründlichen Überwachung menschlicher Aktivitäten und der Beherrschung der physischen Welt: “Wenn man sagen kann, dass die Nazis kino-verrückt waren, dann wurde das “Dritte Reich” aus dem Kino heraus erschaffen und war eine fantastische Konstruktion, die zugleich als traumvehikel wie als todesfabrik funktionierte.”

Die Reihe Propaganda. Das Kino der NS-Zeit, die der Landesbeauftragte für politische Bildung in Kooperation mit dem Kino in der Pumpe und dem Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien der Universität Kiel veranstaltet, wird anhand von insgesamt sieben sogenannten “Vorbehaltsfilmen” mit pädagogischer Begleitung die Funktionsweisen der NS-Propaganda aufzeigen. Ich begrüße es besonders, dass die Vorarbeiten für diese Reihe von Kieler Studierenden der Medienwissenschaft geleistet worden sind und wünsche der Reihe einen guten Erfolg.

Dr. Klaus Kellmann, Stellvertreter des Landesbeauftragten für politische Bildung Schleswig-Holstein

Propaganda – Das Kino der NS-Zeit

Wie sehr die so genannte “Machtergreifung” der Nationalsozialisten im Januar 1933 tatsächlich ein Ergreifen war, lässt sich auch daran ablesen, mit welcher Geschwindigkeit, Gründlichkeit und Vollständigkeit das Regime Kontrollinstanzen errichtete, die fortan die Arbeit der Medien und Künste überwachten. Der Film bot sich hierbei als Propagandainstrument besonders an, da die Reichweite des Kinos groß ist und seine dramaturgisch-argumentativen Strategien gleichermaßen effektvoll wie unauffällig arbeiten. Die Alliierten, denen nach der Kapitulation Deutschlands die Kontrolle oblag, wussten um die Wirkung des Kinos und verhängten umfassende Verbote der weiteren Verbreitung sämtlicher Filme, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland produziert worden sind. Wenn die Verbote mittlerweile für die allermeisten deutschen Filme dieses Zeitraums aufgehoben sind, so fallen heute noch 46 Spiel- und Dokumentarfilme unter die Einordnung als sogenannte “Vorbehaltsfilme”, was die Möglichkeiten ihrer Aufführung in Deutschland maßgeblich einschränkt, aber nicht vollständig unterbindet: Im Rahmen gesonderter Bildungs- und Aufklärungsveranstaltungen, über deren Zulässigkeit in jedem Einzelfall die Murnaustiftung als Rechteverwalterin der Filme befindet, dürfen diese Filme aufgeführt werden.

In einer Zeit, in der sich MediennutzerInnen zu jedem Zeitpunkt gleichsam “alles” ansehen und herunterladen können, erscheint diese strenge Praxis ein wenig überholt, zumindest aber sinnlos, wenn es darum geht, die Verbreitung der Verbotsfilme zu lenken. Wer im Internet nationalsozialistische Propaganda sucht, der wird sie dort auch finden. Dennoch ist die Aufführungsbeschränkung dringend geboten. Und es gibt zu ihr keine Alternative, die sich mit einem Selbstverständnis unserer Republik vertragen würde, dem es um einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Erbe bestellt ist. Der Rahmen, den wir – die Veranstalter dieser Reihe – bieten, ist eben jenes Distanzmittel, das die Filme zum Beobachtungsobjekt zweiter Ordnung macht. Wir sehen einen Film wie JUD SÜSS heute nicht, um eine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert erzählt zu bekommen, die den infamen Aufstieg eines machthungrigen Intriganten zum Inhalt hat, sondern um zu begreifen, wie eine Gesellschaft vor gut 70 Jahren Konzepte des “Eigenen” und des “Fremden”, des “Arischen” und des “Jüdischen” entwarf und für ihre fatalen ideologischen Schlussfolgerungen funktionalisierte. Diese Filme ohne jeglichen Kontext zur Aufführung zu bringen, hieße, Lesarten zu gestatten, die der intendierten Lesart der Faschisten entspricht.

In der Rahmung aber werden die Filme Gegenstand eines weiter gefassten Interesses: Hier geht es darum, den einzelnen Film als Bestandteil eines größeren weltanschaulichen Gebildes zu erkennen, dem es um nichts anderes ging, als die geistigen Voraussetzungen für Krieg und Verbrechen ungekannten Ausmaßes zu schaffen.

Die Reihe Propaganda. Das Kino der NS-Zeit ist ein Projekt am Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien, bei dem Studierende des Master-Studiengangs Medien die Filmreihe zusammengestellt und die Begleitprogramme erarbeitet haben. Kooperationspartner  und Unterstützer des Projektes ist der Landesbeauftragte für politische Bildung. Schirmherrin ist die Ministerin für Schule und Berufsbildung, Britta Ernst.

Dr. Eckhard Pabst, Leiter Kino in der Pumpe und Dozent am Institut für NDL und Medien

Programm

Hitlerjunge Quex 12. Jan 2016 // 19:00 Uhr

Ich klage an -17. Jan 2016 // 19:00 Uhr

Der ewige Jude – 20. Jan 2016 // 19:00 Uhr

Jud Süß -24. Jan 2016 // 19:00 Uhr

Ohm Krüger -26. Jan 2016 // 19:00 Uhr

Heimkehr – 31. Januar 2016 // 19.00 Uhr

Kolberg – 3. Feb 2016 // 19:00 Uhr

Eintritt: € 6,00 / € 5,00 ermäßigt Beginn immer 19 Uhr

Zwischen dem 7. Jan und 29. Feb: Schulvorstellungen nach Anmeldung

Das Kino-Projekt “Propaganda. Das Kino der NS-Zeit” wurde erarbeitet und wird durchgeführt von:

Alexa Ackemann, Yorck Beese, Nora Buse, Eveline Chodzidlo, Melanie Christiansen, Pia Gaußling, Ilka Marie Hagenbücher, Julia Hasenpusch, Marius Heyden, Mareike Jordt, Korinna Kal- berlah, Lina Kerzmann, Nadja Linke, Bianca Lücht, Marie-Luise Meier, Jessica Meyer, Rika Moser, Alina Neumann, Miriam Otto, Yvonne Schink, Alexandra Siggelow, Christina Srebalus, Lisa-Marie Stein, Torben Tombarge, Lena Wilhelmi, Heinrich Wolf und Eckhard Pabst

Weitere Veranstaltungen

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